Rassismus in der Schweiz als Mädchen – Meine Geschichte

Rassismus ist auch Ausgrenzung, Ausschließung, Verbaler Missbrauch

Rassismus in der Schweiz als Mädchen - Meine Geschichte

Rassismus überall.
by Adela Rodriguez, Juni 2020

Rassismus habe ich schon als 10 jähriges Mädchen in der Schweiz erlebt. Hautnah. Am eigenen Leibe. Auch heute erlebe ich den Rassismus überall. Im Job, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, in einem Laden und sogar von Ausländern zu Ausländern. Aber auch bei einigen Mitgliedern der Familie, kommt manchmal die eine oder andere sehr abwertende Aussage über einen Menschen der eine andere Kultur/Herkunft hat.

Rassismus ist auch Ausgrenzung, Ausschließung, Verbaler Missbrauch.

Rassismus ist auch Mobbing.

Rassismus begleitet leider täglich dem Menschen überall auf der ganzen Welt.

Jeder von uns sollte sich einmal Gedanken über rassistische Veranlagung machen. Auch mich betrifft der Rassismus. Genau so wie dich.

Der Rassismus betrifft leider nicht nur die Hautfarbe. Er hat ganz viele „versteckte Komponente“.

Ich bin weiss geboren und habe es schmerzhaft erlebt.

Für mich fängt Rassismus schon dort an, wenn ich jemandem in seiner Menschenwürde Verletzungen zutragen lasse die sich tief in der Seele verbrennen und für immer und ewig da bleiben werden. Das eine ist darüber sprechen. Das andere ist das zu erleben.

Meine Geschichte ist nur eine Geschichte von vielen und auch sicher nicht die Schlimmste. Aber ich bin mir sicher, dass auch sie ganz viele andere Menschen auf der Welt betrifft, egal welcher Hautfarbe/Rasse oder Herkunft diese Menschen sind.

Mit der Einreise in die Schweiz im Jahre 1962 bekam ich einen Privatlehrer um die deutsche Sprache zu lernen. Am Anfang wusste meine Mutter noch nicht für wie lange diese Privatstunden sich durchziehen würden. Irgendwann zwischen den 3 Monaten die ich diese Privatstunden belegte, erfuhr meine Mutter, dass in Basel eine Fremdsprachenschule gab die genau für Ausländerkinder von Einwanderer war. Damals waren es zu 90% Italiener und Spanier. Meine Mutter schaute sich diese Schule an und entschloss mich dort anzumelden. Nach 3 Monaten mit einem Privatlehrer schulte man mich in diese Schule ein. In dieser Schule wurde man soweit wie möglich vorbereitet für eine Eingliederung in der regulären Staatsschule. Man lernte dort nur Hochdeutsch. Also kein Schweizerdeutsch.

Ich hatte ein Flair für Fremdsprachen. So lernte ich schnell. Diese Zeit war nicht gerade unangenehm für mich, aber auch nicht sehr entspannend. Eines wusste ich damals schon und zwar, dass mir die Hochdeutsche Sprache sehr gut lag. Nach 9 Monaten berichtete die Lehrerin meiner Mutter, dass ich nun bereit wäre in eine reguläre Staatsschule zu kommen.

Nun fing für mich eine sehr unangenehme Phase meines Lebens an. Die reguläre Staatsschule. Ich kam in die Sekundarschule. Damals war das die Unterstufe. Die Realschule war die bessere Stufe und von dort an konnte man in das Gymnasium rüber gehen.

Ich war sehr schüchtern. Ich verstand mittlerweile die deutsche Sprache aber ich sprach absolut kein Schweizerdeutsch. Zudem war ich die einzige Ausländerin in dieser Klasse. Kinder können wirklich auch sehr verletzend sein anderen Kindern gegenüber, vor allem wenn sie in der Mehrzahl sind. Und das waren sie definitiv!!! Der Rassismus ist schon seit eh und jeh lebendig. Und ich hatte ihn während dieser Zeit am eigenen Leibe erleben dürfen. Tag für Tag. Woche für Woche. Monat für Monat. Jahr für Jahr.

Während den Pausen in der Schule versteckte ich mich in der Toilette und schloss mich ein bis die Pause vorbei war.

Ich wurde ausgelacht, schickaniert, angespuckt, zu Boden geschmissen, getreten und vieles mehr, bis zum geht nicht mehr weil ich nur hochdeutsch redete und weil ich selbstverständlich keine Schweizerin war sondern „NUR“ eine dreckige Ausländerin. Die Italiener und die Spanier waren damals der Dreck für die Schweizer. Ich spürte richtig den Ausländerhass den diese Kinder von deren Eltern mitbekamen. Diesen Hass musste natürlich an die entsprechenden Ausländerkinder mitgegeben werden.

Damals waren es hauptsächlich Italiener und Spanier die Einwanderer in der Schweiz.

Die Angst war mein täglicher Begleiter. Sie schnürte mir die Kehle zu. Aber meiner Mutter wollte ich trotzdem nichts sagen. Ich wusste, wenn ich ihr das sagen würde, geht sie in die Schule und ich würde noch härter in der Schule dran kommen. Und die Vorstellung es könnte noch schlimmer werden als es schon war, war für mich im wahrsten Sinne des Wortes, unvorstellbar. Also nahm ich jeden Tag so an wie er war. Ich weiß nicht wie ich das überlebt habe. Aber der Mensch überlebt noch einiges im Leben.

Als in der Unterstufe die Unterteilung für die Oberstufe gemacht wurde, hatte ich sehr gute Noten um in die Oberstufe kommen zu können. Aber es war nur noch ein Platz frei und zwei Schülerinnen die dort eingestuft werden konnten. Und dieser Platz bekam natürlich eine Schweizerin. Es hieß damals, ich würde mit der Zeit nicht so gut mitkommen als Ausländerin.

Ist das nicht auch Rassismus?

Heute ist es an der Normalität, verschiedene Kulturen in einer Schulklasse anzutreffen, was ich sehr gut finde und ich muss sagen, dass auch dort heutzutage der Rassismus statt findet. Vielleicht heut zu Tag sogar den Schweizer Kindern gegenüber.

Auf jeden Fall waren diese 4 Jahren meines Lebens, für die Schweizer Kinder wie frisches Fleisch den sie auseinander fetzen konnten wie sie gerade wollten. Das war für mich ein Alptraum und die Hölle auf Erden.

Und trotzdem muss ich sagen, dass mich diese Erfahrung stark gemacht hat. Ich habe mich durchgekämpft, mich angepasst und viel gelernt. Ich habe auch schweizerdeutsch gelernt. Ich bin heute 61 Jahre jung und ich bin immer noch stolz Spanierin zu sein und habe nie auf meinem Spanischen Pass verzichtet oder den Schweizer Pass angestrebt. Ich empfinde mich trotzdem als eine privilegierte Person die sehr viel in der Schweiz und von den Schweizern gelernt hat. Ich habe immer das Gute von den Spaniern und das Gute von den Schweizern für mich genommen und eine gute Mischung für mich daraus gezogen. Weil es gibt überall auf der ganzen Welt das Gute im Menschen.

Ich habe einige Fremdsprachen gelernt, wie z.B.: italienisch, französisch und natürlich auch schweizerdeutsch. Ich bin überzeugt, dass damals zu meiner Zeit dies in Spanien nicht möglich gewesen wäre. Wenn mein Aussehen anders wäre als der einer Spanierin würde man von meiner Aussprache her deuten ich sei eine Schweizerin. Das macht mich stolz. Weil ich aus meiner Resilienz etwas Besseres daraus gemacht habe. Für mich und für meine Kinder. Meinen Kindern habe ich die spanische Sprache und die spanische Kultur geleert damit sie immer wissen woher ihre Wurzeln stammen. Aber auch was es heisst das Gute und den Privileg zu haben hier in der Schweiz leben zu dürfen.

Ich bin überzeugt davon, dass wir alle in unserer kleinen Welt etwas dazu beitragen können den Wert und die Würde in jedem Menschen zu sehen. Abgesehen von ihrer Hautfarbe/Herkunft/Rasse.

 

PEACE!🙏

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